Die Stadt Lübben und der Klimaschutz

"Jeder Baum zählt" - Unser Protest zum Klimastreik im Frühjahr. Foto: ©NABU Spreewald|  A. Kienappel
"Jeder Baum zählt" - Unser Protest zum Klimastreik im Frühjahr. Foto: ©NABU Spreewald| A. Kienappel

Umweltschutz muss nicht nur auf globaler und nationaler Ebene großgeschrieben werden, einzelne Kommunen tragen in gleichen Maße große Verantwortung. Im April reichten wir deshalb zusammen mit dem BUND eine Petition ein, die die Ausrufung des Klimanotstands in Lübben fordert. Ziel ist, dass so der Klimaschutz stärker in das Bewusstsein der Kommunalpolitiker rückt und bei sämtlichen Entscheidungen zukünftig berücksichtigt wird.

 

Zwar hat die Stadt Lübben seit 2013 ein Klimaschutzkonzept (KSK), doch dies ist nach sieben Jahren denkbar veraltet. Gerade Wissenschaft und Technologie haben seitdem neue Erkenntnisse und Entwicklungen zutage gefördert, welche das alte Klimaschutzkonzept noch nicht berücksichtigt. Und es ist unklar, was überhaupt von den KSK umgesetzt wurde.

 

Was gesagt wird

Dass das KSK veraltet sei, sieht auch der Lübbener Klimaschutzmanager (KSM) Dr. Matthias Städter so, wie die Lausitzer Rundschau (LR) berichtete. Doch auch wenn der KSM uns hinsichtlich des Klimaschutzkonzeptes zustimmt, hält er in anderen Punkten dagegen und betont, wie sich die Stadt Lübben in vielerlei Hinsicht bereits für Umwelt und Natur einsetze. So habe der Kohlendioxidausstoß in den letzten Jahren durch die Nutzung von Ökostrom reduziert werden können. Auch im Bereich der Stadtplanung werde stets auf den Klimaschutznutzen geachtet, laut seiner Aussage. So könne beispielsweise in der Kita „Waldhaus“ nun trotz Energieeinsparung die dreifache Fläche beheizt und beleuchtet werden. Leider hört mit diesem Beispiel die Liste an nennenswerten Vorzeigeprojekten auch schon auf.

 

Was gemacht wird

In dem benannten Artikel der LR vom 4. Juni 2020 wurde angegeben, dass der Pro-Kopf-Ausstoß in Lübben bei etwa 10,6 t CO2 liegt, umgerechnet rund 150.000 t CO2 jährlich. Die vom KSM in dem Artikel angegebenen Maßnahmen (Umstellung auf Ökostrom) sparen 1.500 t/jrl. CO2 (im Klimaschutzkonzept war geschätzt ca. 3.500 t/jrl. einzusparen). Dies ist laut Hr. Städter in dem Artikel „der größte Beitrag“ und entspricht einem Fortschritt von 1% seit Beschluss des KSK in sechs Jahren.

Auch der Besuch der kommenden Ausschüsse (Hauptausschuss, Bauausschuss) stimmte wenig hoffnungsvoll, da keine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Klimanotstand statt fand. Aus dem Gesagten im öffentlichen Teil der Sitzungen ließ sich heraus hören, dass die Petition abgelehnt wird und es damit keine Priorisierung von Klimaschutz-relevanten Themen in künftigen Beschlüssen geben wird. Gleichzeitig gab es in den mehrstündigen Sitzungen immer wieder Themen, die Klima-relevante Aspekte beinhalteten, aber weder durch ehemalige Mitglieder des Klima-Beirats (der ausgesetzt wurde) angesprochen wurden, noch durch den Klimaschutzmanager, der sich ausschwieg zu Themen wie Auto-, statt Radwegen, Versiegelung, statt Grünflächen und Neubauten ohne erneuerbare Energieanlagen, Dämmung von Gebäuden nach neustem Stand der Technik und Verwendung von Naturbaustoffen, was große Mengen Energie spart und CO2 bindet.

Jahresmitteltemperatur für Dahme-Spreewald 1881 - 2018
Jahresmitteltemperatur für Dahme-Spreewald 1881 - 2018. *Quelle: rbb|24-Datenauswertung Klimawandel: Das erwartet Berlin und Brandenburg bis 2100

Fatale Unkenntnis und falsche Wahrnehmung

In dem genannten Artikel wird zudem suggeriert, wir reden über eine noch ferne abwendbare Krise, denn „selbst wenn das Ziel noch immer lautet, den Klimawandel zu verhindern, müsse man sich auch mit der Klimafolgenanpassung auseinandersetzen.“ Diese Aussage impliziert gravierende Unkenntnis über den aktuellen Stand der Wissenschaft wie auch der Wahrnehmung der bereits durch die Klimakrise beeinflussten Veränderungen hier und jetzt:

Wie in der Grafik* links dargestellt, ist es auch in Dahme-Spreewald beständig heißer geworden. Anders als im Jahr 1934 sind Hitzesommer keine vereinzelte Ausnahme und damit Wetterschwankung, sondern ein über Jahrzehnte andauernder Trend, der sich jetzt verschärft. Der Klimawandel ist längst da!

Worum es jetzt geht, ist die weitere Erderhitzung so weit einzudämmen, dass gefährliche Kipppunkte, d.h. sich selbst verstärkende Effekte in den Ökosystemen nicht erreicht werden und kommende Folgen für uns damit unkontrollierbar werden – sei es durch die Ausrufung des Klimanotstandes, ein neues KSK oder vergleichbare Maßnahme, die dieser Krise gerecht werden.