Am letzten Oktoberwochenende war es wieder soweit.
26 hoch motivierte Menschen trafen sich erneut in einem Heidegebiet östlich des Spreewaldes um dort Bäume zu fällen, zu entnehmen & damit den offenen Charakter dieser so wundervollen
Landschaft zu erhalten.
Dies geschieht nicht im Gedanken des Eigennutzes, sondern hat vordergründig Naturschutzaspekte zum Anlass.
Denn Heidegebiete sind zumeist alte kulturhistorische Landschaften, deren vormalige Nutzung eine offene, nährstoffarme & weite Landschaft schuf, die besonders wertgebenden & oftmals
heutzutage stark bedrohten Tier- & Pflanzenarten letzte Refugialstandorte bieten.
Dazu zählen in unserem bearbeiteten Gebiet vor allem Vogelarten wie Ziegenmelker, Turteltaube, Wiedehopf, aber auch extrem stark bedrohte Schmetterlinge wie der Heidekraut-Fleckenspanner, die Graue Heidekrauteule. Auch die wunderschöne aber selten zu beobachtende Rote Röhrenspinne & die Schlingnatter reihen sich in die Liste der Profiteure dieser Maßnahmen ein.
Die Heide hier weist seit einigen Jahren starke Zuwachsraten der Kiefer auf, welche dann natürlich zu einer lokalen jedoch massiven Verschattung, aber auch Versauerung der Böden führt. All dies sind Faktoren, welche der Flora & Fauna ab einem gewissen Maße dann irgendwann nicht mehr zuträglich sind & deshalb auch in größerem Umfang Bäume entfernt werden müssen.
Das Foto zeigt deutlich, wie rechts bereits neue Sukzession aufkommt, links aber schon durchaus stattliche Kiefern aufgewachsen sind.
Auch wenn diese auf den Fotos klein wirken, sind das mitunter wirklich stattliche Bäume. Nach deren durchschnittlicher Wuchszeit von 30-40 Jahren & das bei voller Belaubung (nicht wie bei
Kiefern in Monokulturen, welche lediglich winzige Kronen & damit kaum Beblätterung aufweisen), haben sich hier in dieser kurzen Zeit Bäume mit Stammumfängen von bis zu 1,4m & Höhen von
bis zu 17m ausgebildet. Die jährliche Assimilation hat, & das sieht man an den Jahrringen deutlich, zu enormen Zuwachsraten geführt. Einzelne Jahrringe sind fast 1cm stark. Wahnsinn, an
diesen armen Standorten, aber so unterscheidet sich eben die Wuchsrate von frei wachsenden Bäumen, gegenüber in ein "Korsett" gedrängter Bäume in enger Reihenpflanzung in kultivierten
Wirtschaftswäldern. Dort ist natürlich der gerade Stammwuchs & die langsame Aufwuchsgeschwindigkeit gewünscht, um auch Werthölzer für den Industriebau etc. zu gewinnen. Dennoch sind "unsere"
Heide-Kiefern mit voller Belaubung in großem Maße, deutlich resistenter gegenüber Witterungs- & Schadbefall durch verschiedene Insektenarten. Selbst der Borkenkäfer, welche in den
letzten Jahren immer mehr zum Problemfall in Kiefernkulturen wird, findet keinen Gefallen an den durch die volle Bezweigung verschatteten Stammpartien unserer Heide-Kiefern. Auch Dürren &
Sturm machen diesen vor Gesundheit & Vitalität nur so trotzenden Bäumen überhaupt nichts aus. Lediglich unseren Sägen haben sie nicht allzu viel entgegen zu setzen, wenngleich wir natürlich
besonders markante & reizvoll gewachsene Kiefern stehen lassen, um auch ein optisch reizvolles Landschaftsbild zu erhalten.
Am Ziel angekommen waren alle hochmotiviert. Das Wetter war noch nicht ganz so positiv gestimmt wie wir, aber als alle ihre Geräte startklar gemacht haben & nach der Einweisung wussten, was zu tun ist, riss der Himmel wie auf ein Signal auf.
Und fast symbolhaft, schien die Sonne nicht nur immer mehr durch die aufbrechende Wolkendecke, sondern auch durch die immer lockerer & lichter werdenden Baumbestände.
Deutlich vergrößerten sich die Freiflächen im vormals dunklen Kiefernbestand. Einige Säger hatten mit den stark belaubten & oftmals mehrstämmigen Kiefern nicht weniger Arbeit, als die Freiwilligen, welche die aufgearbeiteten Bäume zu Haufen schichteten. Damit wird das Material auf einzelnen Spots gebündelt & gepackt & die Abschnitte verschatten & ersticken somit nicht die freigewordenen Bodenflächen. Dazu dienen die Haufen später verschiedenen Vogel-, Insekten- & Reptilienarten als Unterschlupf & Quartier für einige Jahre.
Mit großer Motivation, aber auch mit Bedachtheit arbeiten die Kettensägenführer sorgsam die vielen Bäume auf. Allerdings auch mit großer Freude an der Sache selbst, wie man auf dem Foto bei Sägenführer Sandro sieht, denn was kann es Schöneres geben, als in freier & schöner Natur, mit vielen Freunden etwas Sinnvolles zu tun?
Gemeinsam etwas schaffen & gemeinsam Erfahrungen austauschen sind zwei Dinge, die bei unseren Arbeitseinsätzen immer eine der Grundprämissen darstellen.
Vernetzung von Gleichgesinnten, aber auch Tätigkeiten mit Freunden, sind mir in diesem Zusammenhang wirklich immer wichtiger Bestandteil, denn nur wenn Erfahrungen & Konzepte weitergegeben werden, können auch andere Gebiete davon profitieren.
Eines der traditionellen Dinge bei den Einsätzen ist mittlerweile der riesige Suppentopf am Feuer zur Mittagspause. Eine Zeit in der nochmal Kraft gesammelt werden kann, aber auch viele Gespräche stattfinden, sowie ein erstes Resümee des Tages erfolgt.
Besonders erfreulich ist, dass ich jemanden gefunden habe, der sich außerordentlich zuverlässig um die rechtzeitige Erwärmung der Speisen kümmert & auch generell allen Teilnehmern die Verpflegung serviert. Danke lieber Wolfgang, Du bist wirklich mittlerweile zu einem unersetzbaren Bestandteil von uns & diesem Einsatz geworden.
Eine tolle Truppe! Ihr wart gestern so unglaublich fleißig! Wahnsinn was Ihr geschafft habt. DANKE FÜR EUER ENGAGEMENT!
Ich freue mich, wenn Ihr Euch freut & wie man sieht, tut Ihr das auch. Wieviel Spaß man bei so etwas haben kann, zeigt sich immer wieder, wenn wir bei einem Einsatz sind. Trotz der wirklich schweren Tätigkeiten, überwiegt meines Erachtens der Spaß an der Sache deutlich & das motiviert halt eben auch sehr. Die vielen Strukturen die Ihr geschaffen habt, werden schon bald ihren Zweck erfüllen & dafür gehe ich gerne erneut mit Euch Helfern in die Fläche, wenn die Zeit dafür günstig ist . Ihr werdet erstaunt sein, wie dieser Platz sich dann verändert hat ;) Ich gebe Euch rechtzeitig Bescheid.
Nur eine offene Heide ist eine gute Heide & wir haben gestern wieder einen großen Beitrag dazu geleistet.
Gut besonnte Freiflächen mit Rohbodenanteilen & niederer Vegetation, sowie Kryptogamenflur, haben jetzt wieder viele Jahre Platz & Raum um sich zu etablieren. Und IHR habt das geschaffen. Ich freue mich auf den nächsten Einsatz, voraussichtlich zum Ausgang des Winters & würde mich sehr freuen, wenn Ihr wieder zahlreich mit helfen kommt. Denn ohne Euch geht's einfach nicht. :-)
Text & alle Fotos © Sebastian Fuchs.
Keine Gestattung der Übernahme oder Vervielfältigung ohne Genehmigung.
















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