Heutzutage wird der sogenannte pauschale Schutz von Baum & Wald gerne als Heilsbringer für den Klimaschutz bezeichnet & viele Menschen sind der Ansicht, dass das Pflanzen von Bäumen an
jedwedem Ort einen Teil dazu beiträgt, das Klima zu verbessern.
Auch wird dann häufig fehlinterpretiert, dass jede Form der Wälder & Forste (angebaute Bäume die vorrangig wirtschaftlichen Interessen dienen & als industrielle Nutzform anthropogenen
Ursprungs sind) gleichsam sinnvoll & wertgebend sind. Aus ökologischer Sicht ist das keineswegs der Fall. Im Gegenteil, hier finden Prozesse statt, die das Gegenteil bewirken & statt
einer Erhöhung der Artenvielfalt, eine massive Reduzierung von niederen, krautigen Blütenpflanzen & damit auch einem Verlust von allen anderen Artengruppen zur Folge haben.
Für viele Menschen ist der Anblick einer solchen baumbestandenen Fläche gleichzusetzen mit dem Begriff "NATUR". Dabei ist es das vollkommene Gegenteil dessen. Hier lebt gar nichts mehr. Es blüht
keine Blume, kein Insekt fliegt umher, keine Vögel finden Unterschlupf in Baumhöhlen oder Büschen & natürlich auch keine Nahrung. Das einzige was hier an Natur erinnert, ist die grüne Farbe
des Schlafmooses, dass jedoch alles überdeckt, selbst keinen wertgebenden Lebensraum darstellt & dabei wie ein Leichentuch, alles überspannt. Kein Samenkorn einer Pflanze kann hier mehr
keimen, denn die meisten Samen benötigen dafür den Kontakt mit dem mineralischen Boden, der nie wieder zum Vorschein kommt, wenn nicht nachgeholfen wird. Das können im Idealfall Wildschweine
sein, die den Boden umwühlen, oder aber auch menschliche Prozesse, z.B. durch Maschinen oder wie vor einigen Jahrzehnten, mittels Harke & Schaufel bei der Streuentnahme. Nur so lässt sich
hier wieder eine halbwegs intakte Waldgesellschaft etablieren, die dann auch wieder anderen Arten einen Lebensraum bieten kann & dabei selbst Prozesse initiiert, die den Wald selbst gesund
hält & ihn anpassungsfähig & vital hält.
Unumstritten bedarf es auch solcher industriellen Forstzonen, um Holz lokal als Bau- & Wertstoff anzubauen & zu ernten, in den Wirtschaftskreislauf zu integrieren & zu nutzen.
Allerdings sollte in Hinblick auf den Rückgang der allgemeinen Biodiversität & insbesondere der Insekten deutlich mehr Fokus auf die ökologischen Maßnahmen gelegt werden um den
Aussterbeprozess vieler Arten zumindest zu verlangsamen.
Das Vorstadium zu den zuvor gezeigten Flächen sieht so aus & wird umgangssprachlich Sukzession oder Naturverjüngung genannt. Auf unseren Flächen war das so massiv der Fall, nachdem hier größere Anteile von Altholzkiefern geerntet wurden. Wo anfangs nur einzelne kleine Kiefern standen, entwickelten sich in den letzten 8-10 Jahren zunehmend massive Bestände von jungen Kiefern. Das Foto zeigt deutlich, dass hier unter den Bäumen eine immer stärker zunehmende Verschattung eintritt, die zusätzlich das Mooswachstum begünstigt & einfach jegliches Leben auf dem Boden, bzw. den darüber liegenden Schichten auslöscht. Es gibt keine Arten der Fauna & bis auf Moose auch keine botanischen Arten, die hier noch existieren können. Es ist einfach zu dunkel! Leben ist da wo Licht & Wärme ist & das ist hier ganz klar nicht mehr der Fall, weshalb wir hier eingegriffen haben.
Dieses Bild ist vor der Maßnahme entstanden & ihr solltet mal auf die Eiche im Hintergrund achten, denn dieser Baum taucht im Artikel noch mehrfach auf ;)
Hier gibt es keine Brutvögel, keine Reptilien wie Waldeidechse oder Schlingnatter mehr, keine Schmetterlinge an Blütenpflanzen, keine anderen Baumarten & auch keine Insektenarten wie
Waldameisen, Laufkäfer oder Hummeln. Hier lebt wirklich nichts mehr.
Das werden wir jedoch ändern, aber seht selbst ....
Anfänglich sind es lediglich kleine Lichtinseln die entstehen. Während einige Helfer die Bäume mittels Freischneider & Kettensäge entfernen, sammeln & packen andere Helfer das Material auf Haufen, um zum einen möglichst viel freien Bodengrund zu erhalten & zum anderen, um mit den gepackten Haufen Strukturen für Reptilien wie Schlingnatter, Blindschleiche & Waldeidechsen, oder aber auch Brutplätze für Tannenmeise, Gartenrotschwanz & Zaunkönig an den südexponierten Hängen der Hügel zu schaffen.
Zur Mittagspause sieht die ein Teil der Fläche schon deutlich anders aus. Da wo vorher Dunkelheit herrschte, dringt nun die Sonne wieder durch die Kronen der Altkiefern bis an den Boden. Ein wenig Anbetung der Sonne kann manchmal helfen. :-) Zumindest haben wir es versucht & die nächsten Fotos zeigen auch, warum das nicht von Nachteil war....
Eine unglaubliche Verwandlung hat stattgefunden, die meine Helfer allesamt in Staunen versetzte. Denn keiner hätte gedacht, dass der Einfluss der kleinen Bäume so groß war. Nun dringt das durchwärmende Sonnenlicht endlich wieder auf den Boden & lässt dort das Leben zurückkehren. Die ersten die kommen werden sind Insekten, gefolgt von Reptilien & Vögeln. Zu guter Letzt werden auch die Karthäusernelken (Dianthus carthusianorum), der Ährige Ehrenpreis (Veronic spicata) & der Berg-Haarstrang (Peucedanum oreoselinum) allmählich dahin zurückkehren, wo sie vor vielen Jahren noch wuchsen & mit ihrem Pollen & Nektar den Grundstein für das Auskommen weiterer Arten gelegt hatten. Die viele Haufen werden geschützten & seltenen Arten wie der schönen Schlingnatter neuen Unterschlupf bieten. Bei kühler, feuchter Witterung liegen die Tiere im Inneren der Reisigwälle, während sie mit dem ersten Sonnenstrahl herauskommen & gerne vor den Haufen in der Sonne liegen um sich aufzuwärmen. Zu Gesicht bekommt man diese Art nur sehr selten, da die Schlingnatter eine sehr scheue Art ist, die bei potenzieller Gefahr sofort das Weite, bzw. das Nahe sucht & in ihrem Reisigwall verschwindet.
In diesem Gebiet habe ich schon häufiger Schlingnattern gefunden & hänge Euch daher noch ein Bild dieser Art am Ende des Artikels an.
Im Hintergrund auf dem Foto übrigens die Eiche vom Anfang des Artikels.
Immer mehr Sonnenlicht erreicht den Boden. Lichtdurchflutet steht der vormals dunkle Kiefernwald vor uns. Ein fantastischer Anblick der jeden mitnimmt. Man spürt förmlich wie die Wärme nicht nur uns, sondern auch den Boden durchdringt. Der freigewordene Platz wird nun auch einer anderen Baumart wieder Raum & Licht zum Aufwachsen geben. Eine Baumart die im Gebiet durch unsere gleichartigen Maßnahmen wie hier schon ausserordentlich profitiert hat. Die Traubeneiche (Quercus petraea) ist eine an solch trockenwarme Standorte angepasste heimische Baumart, die nicht mehr überall anzutreffen ist. Die Unterscheidung zur viel häufigeren Stieleiche (Quercus robur) ist eigentlich sehr einfach, aber nicht jedem geläufig.
Die Blattadern der Traubeneiche verlaufen genau in die Blattspitzen hinein (wie auf dem Bild erkennbar), während sie bei der Stieleiche genau in die Buchtungen der Blätter laufen. Es gibt noch weitere subtilere Merkmale, die eine Differenzierung der beiden Arten zulassen, das leichteste & beste Bestimmungsmerkmal habt ihr aber gerade genannt bekommen ;)
Die gezeigten Blätter stammen aus dem Winter & von den zuvor gezeigten Flächen.
An vielen Stellen auf unseren Flächen sieht es bereits so aus. Überall wachsen Traubeneichen & sind mittlerweile bis zu 3m hoch & damit kaum noch durch Verbiss durch Rot- & Rehwild
gefährdet. Wir haben noch nie eine der Flächen eingezäunt um das Schalwild, welches zahlreich vorkommt bei uns, abzuhalten & dennoch wächst der neue & gute Eichenwald auf.
Wir wollen die Kiefer nicht verteufeln, aber die bisherigen Waldbestände hier sind es Wert ausgetauscht zu werden, gegen einen Wald, der selbsttätig aufwachsen darf & soll & in einigen
Jahrzehnten oder Jahrhunderten nach natürlicher Selektion nur noch die Traubeneichen hier stehen, die es selbstständig auch geschafft haben, alt & groß zu werden. Die einzige wirkliche Gefahr
auf diesem Weg dahin ist die Verdunklung & das Überwachsen mit der Kiefer & genau hier müssen & werden wir auch weiterhin helfend eingreifen.
Im Hintergrund ist neben unserer Eiche vom Eingangspost & mittlerweile auch der See wieder zu sehen. An dessen Säumen & im umliegenden Erlenbruch brüten alljährlich 2-3 Kranichpaare, Grauspechte, Schellenten, Pirol & Waldkauz. Auch der Uhu kommt gelegentlich auf seinen Jagdflügen bis in dieses Gebiet, was mehrere Rupfungen & Gewöllefunde belegen.
Im Winter finden sich hier viele Rotdrosseln, Erlenzeisige, Kernbeisser im Erlenbruchgürtel ein, während auf dem See Gänsesäger & Tafelenten Nahrung suchen & im Sommer Drosselrohrsänger & Blaukehlchen zu hören & zu sehen sind.
Die Arbeit ist fast geschafft & alle sind erschöpft aber zufrieden. Man sieht auf den ersten Blick, dass die Landschaft hier sehr naturräumlich ist. Neben vielem Totholz finden sich auch viele wechselhafte Strukturen, wie trockene Bereiche auf den Hügelkuppen & -hängen, Übergangsbereiche mit Brombeeren, Birken & Erlen, aber auch stattlichen Altkiefern von über 100 Jahren (siehe Sitzgelegenheit) , aber kaum niederer krautiger Vegetation. Das muss geändert werden & ist primäres Ziel, denn ein Wald ohne krautreiche Blütenpflanzenschichten am Boden ist kein guter Wald! Es fehlt damit einer der wichtigsten Elemente in einem ausgewogenen Waldkomplex & begründet sich in den immer wieder stattfindenden & forcierten Dunkelphasen die durch uns Menschen ausgelöst oder gar initiiert werden. In natürlichen Waldgebieten mit einem ausgeglichenen Bestand an Schalwild & elementaren Einflüssen wie Windbruch, Erosion, Blitzschlag oder auch einfach Altersbruch, entstehen immer wieder zyklische Freiflächen & Öffnungen im Kronendach oder Baumbestand, die dann auch einen Erhalt & eine Etablierung von krautigen niedrig wachsenden Pflanzen bis hin zu Waldorchideenarten begünstigen. Diese Sicht auf die Vielfalt in Waldflächen ist uns irgendwie abhanden gekommen. Stattdessen fahren wir durch Quadratkilometergroße vollkommen artenarme, fast lebensfeindliche Zonen & "erfreuen" uns am Anblick dieses ach so "schönen Waldes".
Jeder der selbst mal den Versuch machen möchte kann ab Anfang April morgens einfach mal durch einen tristen Kiefernwald fahren & die Ohren offenhalten. Er wird neben dem Buchfink & einer Tannenmeise nicht allzuviele Vogelarten dort singen hören. Fährt er stattdessen zu gleicher Tages- & Jahreszeit mal durch einen reichen Misch- oder Laubwald wie den Buchenhain bei Schlepzig, wird er fast erschlagen werden von der Vielfalt & Intensität an singenden potenziellen Brutvögeln in diesen Wäldern.


Alle Texte & Fotos © Sebastian Fuchs





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